R.E.M.:

Dead Letter Office

I.R.S. , Reissue 0777 7 13199 2 1
Bill Berry (d,b,v)
Peter Buck (g,b)
Mike Mills (b,g,k,v)
Michael Stipe (v)
Crazy
There She Goes Again
Voice Of Harold
Burning Hell
White Tornado
Toys In The Attic
Windout
Ages Of You
Pale Blue Eyes
Rotary Ten
Bandwagon
Femme Fatale
Walters Theme
King Of The Road
Reissue with Chronic Town EP:
Wolves Lower
Gardening At Night
Carnival Of Sorts (Box Cars)
1,000,000
Stumble
+Gardening At Night ac
+All The Right Friends

ME/S-Review

Viele R.E.M.-Fans werden von dem Material auf dieser Zusammenstellung von B-Seiten und Krimskrams schon einiges im Plattenschrank haben. Laut Gitarrist Peter Buck sollte man die Platte auch nicht allzu ernst nehmen, sondern durchstöbern wie einen Trödelladen.
Unter dem Trödel finden sich drei Velvet Underground-Stücke (die allesamt in besseren Versionen auf diversen Live-Raubpressungen zu haben sind), eine extrem versoffene Verstümmelung von "King Of The Road" (Sänger Michael Stipe bringt den Text völlig durcheinander), ein flotter Spurt durch Aerosmiths "Toys In The Attic" und andere ausgefallene Kuriositäten. Das Beste an der Platte ist ihr unbeholfener, spontaner Charme, aber sie klingt letztlich zu sehr nach einem Insider-Witz.
(***)

Steve Lake in Musikexpress/Sounds 7-87

SPEX-Review

"Dead Letter Office" ist ein Abfallprodukt. Wahrscheinlich aus dem Gedanken einer ökonomischen Nutzenmaximierung geboren, und um den REM-Fans die plattenlose Zeit bis zur nächsten Studioproduktion, die zur Zeit in Nashville entsteht, zu verkürzen, gibt es nun eine von Gitarrist Peter Buck launig kommentierte Ansammlung von B-Seiten, Sessionergebnissen und anderen Kuriositäten zu begutachten. Da diese Ausschlachtung eines momentanen Erfolges zumeist von überflüssigen Live-Mitschnitten und Bestandsaufnahmen erfüllt wird, hat "Dead Letter Office" mit einigem unveröffentlichten bzw. z.Zt. unzugänglichem Material einen apriori reizvollen Charakter.
Das Durchhören von obligatorischen, recht getreuen Velvet Underground-Cover-Versionen, schlichtweg überflüssigen Instrumentalgedudel und alkoholisierten Momentaufnahmen bekräftigt das Image, das REM gerne von sich entwerfen: Sie sind die unprätentiösen, etwas zu ernsthaften good blokes, die wie jedermann nach ein paar Bier den "guten Geschmack" vergessen und zur Rock'n'Roll-Bodenständigkeit zurückfinden. Am überzeugendsten gebärden sich REM jedoch, wenn sie sich auf dem Terrain des von ihnen entwickelten neoromantischen Wohlklangs bewegen. Das sind dann Songs wie "Crazy", das zwar im Original von Pylon, eine weitere Band aus Georgia, stammt, aber glatt, wie auch die Eigenkompositionen "Burning Down", "Ages Of You" und "Bandwagon", von einer ihrer vier vorzüglichen LPs stammen könnte.

Frank Janning in SPEX 7-87

back to R.E.M.