Hindu Love Gods -
Die Götter dürfen verrückt sein!

"Hinduistische Liebesgötter mit 38 Buchstaben?" -
"Warrenzevonpeterbuckbillberrymikemills!" Kein Witz, sondern die Hindu Love Gods, "a rotating group of musicians", wie die vier derzeit Beteiligten das hedonistische Prinzip des Projektes ohne Anspruch auf ewige Haltbarkeit, charttaugliche Song-cw-Werte und ähnlichen verdrießlichen Ballast unterstreichen. Man muß sich das Entstehen dieser göttlichen Vierfaltigkeit wohl ungefähr so vorstellen:

R.E.M. minus ihres Frontmannes Michael Stipe langweilen sich in einem Studio, bei einer backstage party oder rein privat zu Hause in Athens/Georgia. Und wer kommt da, die Gitarre unter dem Arm, reingeschneit? Der gute alte 'Werewolf of London'. Gemeinsam beschließt man, etwas gegen die Langeweile zu tun. Und was liegt bei diesen vieren näher als Musikmachen. Die Produzenten Andrew Slater und Niko Bolas bekamen Wind von den Liebesgöttern und ihrem Tun. Ihre Produktionstätigkeit für die Hindu Love Gods hat sich bei diesem Album allerdings gottseidank ohrenscheinlich darin erschöpft, die Mikrophone in die richtige Position zu bringen, die Bandmaschine anzuwerfen und während der Sessions für gute Laune und Getränke zu sorgen, denn hier ist nichts geglättet und poliert, sondern es regiert die pure Lust am Spielen.

Die vier holen in der klassischen Besetzung zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang Blues-Standards von Willie Dixon, Muddy Waters und Robert Johnson aus dem Koffer und machen mit rockigem Kurs die zeitlose Klasse dieser Songs erfahrbar. Dazu müssen sie keine Kreide, oder um im Bild zu bleiben Kohle, fressen: Die Liebesgötter biedern sich den schwarzen Originalen nicht an, sondern erheben wie selbstverständlich Anspruch auf eigenständige Behandlung dieses Genres durch Musiker, die sich nicht nur in ihrer Hautfarbe von Dixon, Waters & Co unterscheiden. Und daß dieses musikalische Steckenpferd ohne personelle Stammbesetzung zu allererst dem Vergnügen der Beteiligten (und damit auch vieler Hörer mit ähnlich breitbandigem Interesse) dient, dokumentieren die vier mit zwei Farbtupfern aus poppigem Nachbarterrain: Neben 'Battleship Chains' von den Georgia Satellites paßt auch Prince's 'Raspberry Beret' ausgezeichnet auf diese göttlichen Schädel.

Womit überraschen uns die Hindu Love Gods demnächst? R.E.M. haben mit Richard Marx' "Americanos" beim Soundcheck ihrer letzten Tournee viel Spaß gehabt...

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